Erft.Forscher*

Erft.Forscher haben den neuen Fluss im Blick

Um den ökologischen Zustand der Erft zu verbessern, will der Erftverband das Gewässer bei Erftstadt-Gymnich in ein neues Flussbett verlegen. Die Forscher*innen gehen davon aus, dass sich die ökologische Vielfalt in den kommenden Jahren dadurch positiv entwickelt und neue Pflanzen und Tierarten beobachtet werden können. Im Rahmen eines Bürger-Wissenschafts-Projekts soll dieser Prozess durch die Erft.Forscher* begleitet und untersucht werden.

Die Erft ist ein besonderer Fluss. Sie entspringt in dem kleinen Ort Holzmülheim im Kreis Euskirchen und fließt auf einer Länge von 103 Kilometern zur Rheinmündung bei Neuss. Fast in ihrem gesamten Verlauf ist sie ausgebaut und kanalisiert, denn ihre Wasserkraft führte schon früh zu wirtschaftlicher Entwicklung. Das begann bereits im Mittelalter, als das Müllereiwesen eine wichtige Rolle spielte, und wurde im 20. Jahrhundert aufgrund des rheinischen Braunkohletagebaus noch intensiviert. Dabei wurde das Flussbett mehrfach verlegt und an vielen Stellen begradigt, sodass es kaum natürliche Uferzonen, Flussschleifen oder Sandbänke gibt.

Im Rahmen einer Renaturierung sollen nun Teile der Erft bei Gymnich und die umliegende Landschaft wieder naturnah gestaltet werden. Ziel der Renaturierung ist es, das wiederherzustellen, was in natürlicher Weise schon einmal da war, bevor der Mensch eingegriffen hat. Entstehen soll so ein naturnahes Gewässer, das sich dynamisch entwickelt und seinen Weg sucht. So werden beispielsweise Barrieren im Gewässerbett beseitigt, um den Fluss wieder durchgängig zu machen und es Fischen und anderen Lebewesen zu ermöglichen, ihn zu durchschwimmen. Zugleich aber geht es auch darum, neue Lebensräume für Tiere und Pflanzen an den Flussufern und in der Auenlandschaft der Erft zu schaffen und diese als Ziel für Naherholung und Naturerlebnis attraktiv zu machen.

Mit der Renaturierung der Erft beginnt ein spannender Prozess. Landschaft und Artenvielfalt werden sich in den kommenden Jahren stark verändern. Genau hier setzt das Citizen Science Projekt Erft.Forscher* an. Die Erft.Forscher* verfolgen das Ziel, die positive Veränderung der Kulturlandschaft nachhaltig zu dokumentieren und dabei möglichst viele gesellschaftliche Gruppen einzubinden. Es geht gleichermaßen darum, die regionale Entwicklung einer sich wandelnden Region zu fördern und die Identifikation der Anwohner sowie Besucher mit der Region zu stärken.

Im Rahmen des Projektes wurden dafür spezielle pädagogische Programme zu den verschiedenen Monitoring-Themen erarbeitet. Die Programme richten sich an Schulklassen, Kindergärten, Vereine und andere Gruppen und können am Naturparkzentrum gebucht werden. Natürlich kann auch jeder auf eigene Faust ins Gelände gehen – dafür stellt der Naturpark gut verständliche Bestimmungs- und Erfassungsbögen bereit. Es gibt außerdem eine App, mit der Tiere und Pflanzen bestimmt werden können. Und natürlich helfen auch hier die Profis: Eine Expertin oder ein Experte gibt eine kurze Einführung – und dann kann es losgehen!

Auf diese Weise sollen wichtige Fragen beantwortet werden – zum Beispiel, welche Tiere und Pflanzen hier ein neues Zuhause finden, wie sich der Flusslauf verändert und wie gut die Wasserqualität ist. Dabei sollen alle Menschen mitgenommen und auch Kindern und Jugendlichen aus strukturschwachen und sozial benachteiligten Stadtquartieren und Ortsteilen entlang der Erft ein Zugang zu Natur- und Umwelterlebnissen ermöglicht werden. Ausgewählt wurde das Projekt über den Projektauftruf „Grüne Infrastruktur NRW“. 

www.erftforscher.de



Facts & Figures

516.293 Euro Gesamtinvestition
davon:
258.147 Euro EFRE Fördermittel
154.888 Euro NRW Landesmittel


Projektpartner

Zweckverband Naturpark Rheinland
Rhein-Erft-Kreis
ERFTVERBAND


Schwerpunkt

Ökologische Revitalisierung von Quartieren, Städten und Stadtumlandgebieten


Laufzeit

01.01.2019 bis 31.12.2021