Kulturlandschaftsschutz mit Messer und Gabel – Vielfalt schmeckt: Regionale Spezialitäten zur Stärkung der Genuss- und Tourismusregion Bergisches Land

Immer mehr Gastronomen und Verbraucher zeigen sich sensibel für regionale Produkte. Die Besinnung auf „local food“, wie dieses Thema neudeutsch auch genannt wird, ist gesund, stärkt eine Region auch wirtschaftlich und gilt zudem aufgrund wegfallender Transportwege sehr klimafreundlich. Allein der Gedanke ist löblich, aber bei der Umsetzung hakt es noch an manchen Stellen – sowohl auf Produzenten- als auf Vertriebs- und auch auf der Konsumentenseite.

Dies zu verändern, hat der Zweckverband Naturpark Bergisches Land das Projekt „Vielfalt schmeckt“ ins Leben gerufen. „Wir möchten die Vielfalt unserer abwechslungsreichen Kulturlandschaft auch auf dem Teller erlebbar machen“, erklärt Theo Boxberg von der Geschäftsführung des Naturparks den konkreten Ansatz der Initiative. Strategischer Hintergrund des Projekts ist, das Bergische Land als Genuss-, Tourismus- und Wirtschaftsregion nachhaltig zu fördern.

Dazu gilt es, unter dem Projektdach „Vielfalt schmeckt“ gemeinsam mit Erzeugern, Verarbeitern, Händlern und Gastronomen systematisch an einer Spezialitätenvermarktung zu arbeiten. Vor allem durch eine gezielte Vernetzung der Angebots-, Logistik- und Nachfrageseite sowie den Aufbau einer Produkt-Linie für die Gastronomie und den Handel soll das aus Sicht des Verbandes bisher brachliegende Potenzial geweckt werden. „Obwohl das Gute so nah liegt, muss es zunächst wie ein Schatz gehoben werden“, beschreibt Boxberg die aktuelle Situation. Dass man in unserer Region reichlich und gut essen kann, ist wahrscheinlich noch allgemein bekannt, aber dass man hier auf ausgesuchte Spezialitäten trifft und durch Aufessen sogar dazu beitragen kann, die Vielfalt der Landschaft zu erhalten, wissen wohl die wenigsten.“

In einem Zeitraum von drei Jahren soll sich dies grundlegend ändern und dabei helfen die Fördermittel des Operationellen Programms für NRW „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“ 2007-2013. Als ein Siegerprojekt des NRW-EU Ziel 2-Förderwettbewerbes Ernährung.NRW erhält „Vielfalt schmeckt“ rund 110.000 Euro aus diesem durch den EFRE ko-finanzierten Fördertopf und zusätzliche 58.000 Euro aus NRW Landesmitteln. Alle Beteiligten – neben dem Zweckverband Naturpark Bergisches Land sind dies die Universität Bonn als wissenschaftlicher Partner sowie eine Reihe von Partner-Verbänden und -Betrieben aus dem Bergischen Land –  haben nun die Möglichkeit die Netzwerk-Idee von „Vielfalt schmeckt“ gezielt voranzutreiben.

Neue Absatz-Potenziale für die Betriebe entlang der Wertschöpfungskette stehen dabei genauso im Fokus der Projektarbeit wie das Heben und Fördern besonderer Geschmackserlebnisse aus der Region. Anschaulicher vermittelt indes Theo Boxberg die Ansprüche dieser Projektarbeit: „Die Kundschaft soll wieder den Unterschied schmecken und schätzen lernen zwischen Limousin-Rind und Rotem Höhenvieh, zwischen Fleckvieh und Glanrind. Ein saftiger Ochsenbraten vom Roten Höhenvieh oder ein leckeres Gelee von Apfelraritäten wie Bäumchensapfel oder Goldparmäne machen Vielfalt nicht nur auf dem Teller erlebbar, sondern tragen darüber hinaus zum ‚Kulturlandschaftsschutz mit Messer und Gabel’ bei.“

Aufgabe ist daher, regionale Strukturen und ganz besonders auch landwirtschaftliche Strukturen in der Region zu erhalten und gemeinsam mit regionalen Akteuren auszubauen, da gerade kleinere und mittlere Betriebe im Naturpark-Gebiet einen wichtigen Beitrag zur Förderung des genannten Kulturlandschaftsschutzes und Tourismus leisten.

Ein Streifzug durchs Bergische Land verspricht viele schöne Ausblicke. Speziell die Natur ist bemerkenswert: Auf saftigen Wiesen grasen verschiedene Rinder- und Schaf-Rassen und erfreuen sich an ihren natürlichen Futtermitteln. Seltene Apfelsorten bieten optischen und kulinarischen Genuss. Und nach einem erquickenden Ausflug durch die Landschaft lassen sich die regionalen Köstlichkeiten auf dem Teller genießen.

Diese Situation können sich die Verantwortlichen des Naturparks Bergisches Land bestens vorstellen, zumal „Vielfalt schmeckt“ Bestandteil ihrer Kampagne „Vielfalt lebt“ ist: dem Bergischen Projekt zur Förderung der so genannten „Agrobiodiversität“ - also der Vielfalt von Nutztieren und Kulturpflanzen. Und diese hat nun auch einen kulinarischen Teil.

Bildnachweis: kulinarischunterwegs.de


Kontakt

Naturpark Bergisches Land
Moltkestr. 34
51643 Gummersbach
info(at)bergischesland.de 
www.vielfalt-schmeckt.de